Der Indianerkrieg

Der Winter kam und mit ihm der Schnee. Aber der Lauf der Zeit hat uns gelehrt, dass auf  Regen, Sonnenschein folgt. Der eisige Winter war schnell vergessen, aber die Ereignisse des vergangenen Jahres waren es nicht. Im Frühling besuchten wir einem Ort, den die Weißen Carson City nannten. Dort redeten die Menschen an den Lagerfeuern über das Pow Wow am Little-Creek. Seither gab es zwischen den verschiedenen Stämmen eine fast feindliche Stimmung. Es wurde nicht mit Waffen gekämpft, sondern mit Worten. Aber die Worte verletzten uns genauso, wie Pfeile oder Lanzen. So zog sich die Feindschaft zwischen den Stämmen wie ein roter Faden durch das ganze Jahr. Bald mischte sich auch der weiße Mann ein. Überall gab es kleinere Streitereien und bald sollte sich diese feindliche Stimmung im Fort am Little-Creek bemerkbar machen. Das Trademeeting der Blau-Röcke im folgendem Herbst wurde nur mäßig besucht. Die Trapper wollten nicht auf die Blackfeet treffen und die Sioux nicht auf Crows, oder Pawnees. Fast  jeder hatte einen Grund dem Treffen fern zu bleiben. Es ging nicht um die Wintervorräte, Ponnys oder Teritorien, hier ging es um Lügen, Intrigen, Ehre und gekränkte Eitelkeit. Das wiederum missfiel dem Colonell und seiner Frau, von der behauptet wurde, sie führte heimlich das Regiment an. Einige Trapper sprachen es offen aus. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.


Eine Woche später trafen mehr und mehr der Skunks ein. Viele Indianer schlugen ihr Lager am Little-Creek auf um an dem großen Skunkmeeting teilzunehmen. Der Colonel hatte von mir erwartet, das ich mein Tipi beim Treffen der Blau-Röcke nicht aufstellte. Er hoffte, dass die Soldaten aus Carson City eintreffen würden. Sie brauchten den Platz für ihre Zelte. Also tat ich das, was er wollte, aber nur wenige besuchten die Soldaten im Fort. Ganz anders war es beim Treffen  unseren Freunde, den Skunks. Schon bald war die ganze Ebene übersäht mit Tipis und Lodgen. Auch ich stellte mein Tipi auf der Ebene hinter dem Fort auf. Kleine Rauchwolken der Lagerfeuer stiegen empor und vermischten sich mit den Nebelschwaden, die sich in den frühen Morgenstunden über das Tal gelegt hatten. Einige Bussarde kreisten über uns. Ein leises Rauschen des Windes zerriss für einen Augenblick die Stille. Hinter dem Black Mountain ging langsam die Sonne auf. Es war für mich jedes Mal beeindruckend. Wir trommelten, tanzten und saßen gemeinsam an den Feuern. Und wieder spürte ich diese Harmonie, die ich im vergangenen Jahr im Lager der Sioux im Süden erleben durfte.

 Die Blau-Röcke beobachteten uns aus ihrer sicheren Festung.  Sie setzten sich nicht zu uns ans Feuer. Sie mieden uns. Niemand nannte einen Grund für ihr Verhalten oder gab eine Erklärung ab, niemand sprach offen aus, was eigentlich schon jeder wusste. Ihre Haltung gegenüber den Indianern und deren Freunde, den Skunks wurde zunehmend feindlicher. Die Kluft zwischen Rot und Weiß wurde immer größer. Die Frau des Colonell brach das Schweigen. Sie warf den Trappern und Indianern vor, das Meeting im Fort boykotiert zu haben. Sie sah es so, aber vielmehr wollte niemand die überhöhten Preise im Fort zahlen. Bei den Skunks war es anders, hier blühte das Geschäft, es gab reichlich zu essen und der Wiskey floss in strömen. Nach Sonnenuntergang ertönte Musik aus dem Saloon im Fort. Lautstark wurde gesungen und gelacht. Die dicken Holzbohlen des Fußboden bogen sich unter den stampfenden Stiefeln der vergnüglich, tanzenden Trappern und ihren Frauen. Auch einige Indianer feierten mit. Nur wenige Blau-Röcke drückten sich in den Ecken rum. Der Colonel  hielt sich in seiner Unterkunft auf und beobachtete argwöhnisch das Treiben. In dieser Nacht wurde im klar, das er schon lange nicht mehr den Status und Beliebtheit genoss, die er noch vor einigen Winter hatte. Er führte die Menschen im Fort nach seinen Vorstellungen, oder besser gesagt nach den Vorstellungen seiner Frau. Sie spielte gerne die vornehme Lady, die sich bedienen ließ. Als Indianerin, die in “ihrem Fort“ lebte, hätte sie es gerne gesehen, dass ich zu ihr aufblickte. Aber ich bin eine stolze Cheyenne.  Niemals hätte ich mich ihr untergeordnet. Für mich  war sie  nur die Frau des Colonel. Eine verwöhnte Lady aus gutem Haus, immer darauf bedacht, nach außen gut angesehen zu sein. In Wahrheit aber, nahm sie niemand so richtig ernst.

Schließlich stellte sich heraus, dass die Trapper von den Blau-Röcken betrogen wurden. Der Handel geriet ins Stocken. Über die Einzelheiten dieses Betruges zu berichten, möchte ich mir ersparen. Nur soviel,  eine jahrelange Freundschaft  wurde auf einer harte Probe gestellt und zerbrach letztendlich an der Sturheit und der Arroganz einiger Soldaten.

In dem Monat, den die Weißen  November nennen, sollte im Fort am Little Creek mit den Skunks verhandelt werden. Einige von uns stellten sich auf die Seite der Skunks. Es wurde laut geredet, trotzdem wollten die Soldaten nicht nachgeben. Also stand ich auf und sprach zu den Blauröcken. Mit meinen Worten zwang ich sie schließlich einzulenken. Obwohl ich als Indianerin  nicht das Recht hatte, zu sprechen, verdiente ich mir an diesem Tag den Respekt der Skunks. Unsere Freundschaft wurde erneut besiegelt. Die Soldaten beglichen ihre Schulden, aber durch ihren Betrug verloren sie ihr Gesicht und die Freundschaft vieler Trapper und Indianer.

Für die Frauen und Männer des Fort war ich eine Verräterin.

 Der Frühling kam früher als erwartet. Auf einer weiten Ebene vor einer kleinen Siedlung, die der weiße Mann Carson City nannte, vereinten sich mehrere Stämme aus dem Westen und dem Osten. Carson City war ein Außenposten der Blauröcke. Die Zweite US war ebenfalls eingetroffen. Sie dienten den anderen Soldaten zur Unterstützung. Wiedereinmal standen sich die Blauröcke mit meinen roten Brüdern gegenüber. Die Spannung war deutlich zu spüren. Einem Abkommen zwischen den Blackfeet und den Soldaten aus Carson City war es schließlich zu verdanken, dass es zu keinen nennenswerten Auseinandersetzungen kam. Trotzdem zeigten meine roten Brüder mutig  ihre Presens. Immer wenn der General die Soldaten antreten ließ, stellten die Indianer sich in vollem Prunk und bewaffnet an der Seite auf  Die Soldaten  fühlten sich  verunsichert und  versuchten, uns in die Schranken zu weisen.

Allerdings mit wenig Erfolg. Unsere Krieger hatten ihren Spaß. Schließlich trennten wir uns alle in Frieden. 

Bald darauf wurde der Handelsposten am Little Creek wieder Mittelpunkt zahlreicher Ereignisse. Racoon, ein Trapper, der im Fort ebenfalls ein Blockhaus bewohnte, beschloss in diesem Jahr weiterzuziehen. Die Gründe dafür hatten mit den Ereignissen der vergangenen Monate zu tun. Er und seine Frau fühlten sich in Little Creek schon lange nicht mehr wohl. Das Haus wollten sie verkaufen.  Ich bedauerte  seinen Entschluss. Wir hatten gemeinsam einen langen Weg beschritten und zwischen uns hatte sich eine gute Freundschaft entwickelt.

An einem warmen Frühlingsabend, als das Fort wieder einmal Treffpunkt vieler Händler wurde,  sprach ich mit einigen anderen Gästen über die neuen Entwicklungen, achtete aber darauf, dass nur vertraute Personen von den Absichten Racoons erfuhren. Ich trug auch meine Sorgen vor. Schließlich blieben Manuka und ich allein bei den Soldaten zurück, wenn Racoon das Fort verlassen würde. Wir standen vor der Entscheidung  weiter im Fort mit den  Blau-Röcke zu leben, oder auch weiterzuziehen. Andererseits wollte ich den Soldaten nicht unser Blockhaus überlassen. All das beschäftigte mich an diesem Abend. Von all diesen Dingen sollte der Colonel vorerst nichts erfahren. Aber der Verräter schläft nie. In dieser Nacht hieß der, der mein Gespräch belauschte,  Fuchseisen. Ein kanadischer Trapper und Goldsucher, der am Fuß des Black Mountain seinen Claim abgesteckt hatte. Er war schon vielen aufgefallen. Er mischte sich überall ein. Jeder, der in kannte, wusste etwas über ihn zu berichten, leider oft Unangenehmes. Die Meisten entschuldigten seine Eskapaden mit dem übermäßigem  Genuss von Verrücktem Wasser. Doch dieses mal ging er zu weit. Jetzthatte er sich zum Feind der Cheyenne gemacht. 

In dieser Nacht besuchten uns unsere Freunde, die Sioux. Mit dem Chief  sprach ich über den Zwiespalt mit den Soldaten im Fort. So stand auch dieses mal mein Tipi nicht auf der Ebene östlich des Fort. Die Sioux hatten ihre Tipis ebenfalls nicht aufgebaut und natürlich fehlten auch die Trapper der Skunks. Zu sehr hatten die Vorkommnisse des letzten Herbsttreffens die Freundschaften leiden lassen. Stattdessen  standen unsere Zelte in einem Lager bei Twofalls, einen Tagesritt südlich von Little Creek. In einer Woche fand dort das Meeting der Skunks statt, ohne die Blau-Röcke, das war sicher. Inzwischen sprach man von offener Feindschaft. Es kam zu Auseinandersetzungen. Einige Indianerinnen beschlossen, die Soldaten zu demütigen. Wir holten eine ihrer Fahnen vom Mast, drehten sie auf dem Kopf, um damit unsere Verachtung für die Weißen auszudrücken. Dann hissten wir sie erneut. Ein Sergant Mayor beobachtete uns dabei und erstattete dem Colonel Bericht. Der nächste Morgen war kalt, aber noch kälter war die Stimmung, die zwischen den Soldaten und den Indianer herrschte Der Sergant Major betitelte uns als rotes Pack. 

In den nächsten Tagen begegneten uns die Leute vom Little Creek äußerst distanziert. Nichts war übrig geblieben von der Freundlichkeit und der Herzlichkeit. Wir waren Indianer und solange wir von Nutzen waren und ihre Meinung vertraten, ihre Gesetze befolgten und ihre Lebensweise lebten, solange waren wir willkommen und eine Bereicherung für das Fort.

Dann schließlich bat der Colonel mich um eine Unterredung. Ich dachte dabei, es ginge um die Missachtung der Fahne. Tatsächlich wurde mir Verrat und fehlende Loyalität vorgeworfen. Er und Isto´Petizanzan, so nannte ich seinen Zahlmeister, warfen mir vor, die neuen Jagdgründe der Skunks verheimlicht zu haben. Es stellte sich schließlich heraus, dass der kanadische Trapper dem Colonel ein sprechendes Papier gegeben hatte, dessen Inhalt eine einzige Lüge war. Er behauptete, ich wolle dem Fort und seinen Bewohnern Schaden zufügen und das Blockhaus abreißen, bevor ich das Land mit Manuka verlassen würde. Kurz gesagt, er säte Zwietracht. Enttäuscht, aber auch wütend sagte ich jedem, dass die Cheyennes und der kanadische Trapper nun verfeindet sind. Er selbst sollte es erst viel später erfahren.

Unser Gedanke, das Fort zu verlassen und Racoon zu folgen, nahm immer mehr Gestalt an. Doch vorher sollte hier noch ein großes indianisches Fest abgehalten werden.

 

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