Das Council

 

Die Häuptlinge einiger Stämme beschlossen in diesem Sommer, ein  großes Pow Wow abzuhalten. In dem Monat, wenn sich die Blätter der Bäume färben, sollten sich alle Stämme der Region auf der großen Ebene am Little-Creek treffen.

Bei jedem Abschied vergieße ich ein paar Tränen. Die Freude war sehr groß,  alle wieder zu sehen. Ich sah in freundliche und lachenden  Gesichter und war glücklich zu Wissen, dass  alle wieder gesund nach Little Creek zurückgekehrt wart.

Es sollte ein INDIAN COUNCIL im Oktober auf der Ebene am Little Creek stattfinden. War es ein Erfolg?

 Eine Frage, die sich sicherlich viele Gäste gestellt haben. Es verlief anders, als ich erwartet hatte. Vier Chiefs sollten die Indianer zusammenbringen, um zu den “Regeln“ zurückzukehren.  Es sollten Reden gehalten werden. Es sollten Gäste empfangen werden. Es wurden Jungkrieger als Lagerwachen, sogenannte Akichitas eingeteilt, um ungebetene Gäste den Zutritt zum Lager zu verweigern. Ungebetene Gäste waren nach Ansicht der vier Chiefs  die Trapper der Skunks. Aber die Skunks sind Freunde der Sioux, gute Freunde, wie Brüder und Schwestern. Sollten wirklich die Indianer ihre Brüder und Schwestern auf Geheiß der Chiefs vor dem Lager stehen lassen?  Die Chiefs mussten einlenken. Als die ersten Trapper am Fort Little Creek eintrafen, bot ich ihnen Platz in Manukas Blockhaus im Soldatenfort an. Trapper, mit denen wir schon viele Winter Handel trieben, Trapper, die unsere Freunde sind. Im Lager nahm man zunächst keine Notiz von den eingetroffenen Gästen. Schließlich wurde den Skunks Einlass gewährt. Den Männern wurde ein Platz zugewiesen, den sie unaufgefordert oder ungefragt nicht verlassen durften. Die Frauen durften sich frei im Lager bewegen. Zu diesem Zeitpunkt waren der Colonell der Blauröcke mit seiner Frau ebenfalls im Lager eingetroffen. Wieder wurde viel geredet. Der Chief der Blackfeet griff den Colonell hart an und beschuldigte ihn, für den Tod vieler unserer Brüder verantwortlich zu sein. Er sprach Worte, die, wie ich meine, nicht gut gewählt waren. Der Colonell verteidigte sich. Ich kenne den Colonell schon viele Winter. Ich weiß, das er das, was Custer den Indianern angetan hat, niemals gutheißt. Er handelte auf Befehl, das waren die Worte des Colonell. 

Meine roten Brüder wollten sich beweisen und forderten die weißen Männer zu einem Wettkampf auf. Die Wahl der Waffen fiel auf den Tomahawk. Der  Chief der Blackfeet mahnte die Indianer, sie mögen den Kampf mit den Trappern gewinnen und im Falle einer Niederlage würde Schande über sie kommen. Der  Chief der Blackfeet forderte alle im Lager auf, dem Kampf beizuwohnen. Aber meine Brüder hatten einen schlechten Tag. Die Trapper waren dieses mal besser. Jeder Krieger wurde mit zwei schwarzen Streifen im Gesicht als Zeichen der Schande gekennzeichnet. Diese Demütigung hatten sie meiner Meinung nicht verdient.

Während all dem waren Doc Holliday und seine Frau den ganzen Tag im Fort anwesend. Sie bewohnen dort schon viele Winter ein Blockhaus. Wenige Augenblicke vor dem Wettkampf  zwischen den Indianern und den Trappern wurden Doc und dessen Frau von einer Indianerin  ins Lager  eingeladen und Willkommen geheißen. Wusste der Chief der Blackfeet von dieser Einladung? Offensichtlich nicht, denn nach kurzem Aufenthalt am Feuer der Indianer mussten die Fremden das Lager verlassen. Sie wären nicht Willkommen, wurde ihnen gesagt. Es waren keine Fremden, denn der weiße Mann mit Schnee auf seinem Haupt hat schon viele Winter an den Feuern der Indianer verbracht, auch bei den Blackfeet. Er ist sehr weise und hat ein gutes Herz. Ich kenne ihn gut.  Als ich am nächsten Tag von dem Vorfall erfuhr und ich sah, wie sehr ihn das verletzt hatte, wurde mein Herz schwer. Ich schämte mich für diejenigen, die sich ihm und seiner Frau in den Weg stellten. Es waren jedoch nicht die Jungkrieger, denn sie handelten ja nur auf Befehl.

 Inzwischen war die Sonne am Horizont versunken. Wieder saßen wir alle in der Runde um das Feuer und die Jungkrieger wurden getadelt, denn sie wären ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Auch sie wurden gedemütigt. Niemand verteidigte ihr Handeln.

Sind das die Regeln, von denen gesprochen wurde?

Oder war ich zu jung, um diese Regeln zu verstehen?

Als in der Nacht die Trommel der Blackfeet verstummte und somit der Kreis der Gäste kleiner wurde, rückten wir, die Cheyenne, die Sioux, Nez Perces und die Skunks näher ans Feuer. Der Chief der Sioux trommelte auf einer Handtrommel und wir sangen die vertrauten Lieder, die uns alle fröhlich stimmten. Es wurde erzählt und gelacht. Jetzt fühlte ich wieder diese Harmonie und es fiel mir schwer, in dieser Nacht schlafen zu gehen. Es waren die richtigen Menschen, die richtigen Lieder und die richtigen Worte. Die Trapper schliefen in Manukas Blockhaus im Soldatenfort. Am nächsten Morgen besuchten sie uns in meinem Tipi. Diesmal hielt sie niemand auf oder wies ihnen einen Platz zu. Es war gut so, wie es war, auch ohne Regeln.

 

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